14. - 16. Mai 2010

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Julia Calfee

Die amerikanische Multi-Media-Künstlerin, Fotografin, Schriftstellerin und Trickfilmzeichnerin Julia Calfee hat den grössten Teil ihres Lebens in Europa und Asien gearbeitet. Sie spricht fliessend Französisch. Ihren Abschluss in Journalismus hat sie an der NYU gemacht, und an der Sorbonne in Paris studierte sie Kunstgeschichte.


Calfees erstes Buch, Photogénèse, eine grossformatige Deluxe-Ausgabe in limitierter Auflage mit einem Vorwort des spanischen Meisters Antonio SAURA und des Schrifstellers Jose Carlos LLOP
wurde von der Joan Miro Foundation 1995 publiziert.


Von 1996 bis 2002 konzentrierte sich Julia Calfee auf die Mongolei, wo sie eine Karawane anführte, die medizinische Hilfe in abgelegene Gegenden transportierte. Während dieser Zeit machte sie auch Dokumentationen in mongolischen Gefängnissen im Auftrag einer Hilfsorganisation und fotografierte die Zerstörung durch die Armut in Ulan Bator. Während dieser Jahre portraitierte sie unter anderem die traditionellen Rentierhirte im Norden des Landes, im Besonderen eine Schamanin. Die Erfahrungen mit der Schamanin wurden in limitierter Auflage im Katalog Mountain Spirits of Mongolia veröffentlicht, der von der Richard Liu Foundation herausgegeben wurde, und zur gleichen Zeit fand eine Ausstellung zum selben Thema in Brüssel statt, anlässlich der grossen Eröffnung des neu renovierten Art Deco-Wahrzeichens The Flagey Art Center.


2003 wurde Spirits and Ghosts: Journeys Through Mongolia von PowerHouse, New York, publiziert. Dieses Buch untersucht die Transformationen und Veränderungen in der Mongolei seit 1996 und spricht dabei kritisch die hartnäckigen Rituale und den Glauben des Landes an, das sich in einer düsteren post-kommunistischen Ära befindet und sich nur schwerfällig an das neue demokratische System anzupassen vermag.


Eine Reihe von Ausstellungen folgte diesen Veröffentlichungen, in New York, London, Paris, Mailand und Brüssel. In der Folge begann Julia Calfee, das von ihr so bezeichnete Neue China zu fotografieren. Dazu gehörte auch das Privatleben einer neuen gesellschaftlichen Klasse, die in kurzer Zeit sehr reich geworden
war, und die städtischen Räume, die aus den wirtschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre erwachsen sind. Sie dokumentierte auch die junge zeitgenössische Kunstszene in Beijing, vor allem die 798 Factory, und verbrachte einige Zeit in Chinas Nordwesten und Südwesten, Gegenden, die noch immer dominiert sind vom zentralasiatischen Einfluss, trotz des unaufhaltsamen Vormarsches Chinas in den Westen. Dieser Werkkomplex ist in vielen einflussreichen Magazinen erschienen, unter ihnen Time, Figaro Magazine, Paris Match, Corriere della Sera usw. Calfee war die erste Fotografin, die den Lebensstil der neuen Supperreichen in China dokumentierte. National Geographic publizierte einen Teil des Werks im Jahre 2008 unter dem Titel INSIDE CHINA. Doch in einigen angelegenen Gegenden Chinas stiess Julia Calfee auch auf Hinweise eines unveränderten China, wo ganze Bevölkerungsgruppen noch wie vor 1000 Jahren zu leben scheinen, zum Beispiel in den fernwestlichen muslimischen Provinzen an der Grenze zu Afghanistan. Calfee spricht Mongolisch und hat ein weites Kontaktnetzwerk in Asien und Europa aufgebaut, das von Schafhirten bis CEOs reicht.


Zwischen 2003 und 2008 lebte Julia Calfee hauptsächlich im Hotel Chelsea in New York City, wenn sie sich nicht gerade in Brüssel oder Beijing aufhielt. Im Chelsea dokumentierte sie den Geist, der dieses Haus so einzigarig machte, bis die Familie BARD, die das Hotel seit den 40er Jahren geführt hatte, im Juni 2007 des Managements enthoben wurde. Dieses Langzeitprojekt ist mittlerweile abgeschlossen und daraus entstand eine vielbeachtete Publikation, die von powerHouse Books 2008 herausgegeben wurde: INSIDE, The Chelsea Hotel photographed by Julia Calfee, und im Dezember 2009 eröffnete eine grosse Ausstellung dieses Werks im DOX Center for Contemporary Art in Prag. Der Andrang war so gross, dass die Ausstellung bis zum 15. März 2010 verlängert werden musste. Die Ausstellung steht in Verbindung mit CHELSEA HOTEL, Ghosts of Bohemia, einer Ausstellung von Werken berühmter ehemaliger Bewohner des mythischen Hauses, beispielsweise Andy WARHOL und Robert MAPPLETHORPE.


Calfees Werk ist international in zahlreichen Publikationen erschienen, unter anderen in New York Times, Time, Business Week, London Sunday Times, Paris Match, Guardian, Elle Italia, Elle Japan, Marie Claire, Paris Photo, Digital Photography, Corriere della Sera und Photo Eight. Julia Calfee wird von Polaris Imagesvertreten.

Der New York Chapter of Explorers Club wählte Julia Calfee zum Mitglied am 14. Juni 2008, und würdigte ihre langjährige Arbeit in Zentralasien, von der Wüste Gobi bis Sibirien, auf der Seidenstrasse, im Altaigebirge und auf den von ihr erstmals dokumentierten prähistorischen Megalithen in der Mongolei. Zu den Mitgliedern des Clubs, der sich dem Fortschritt in der Feldforschung und in der Ausbildung in Physik, Biologie und Naturwissenschaften widmet, gehören unter anderem weltberühmte Persönlichkeiten wie Sir Edmund Hillary, der erste Besteiger des Mt Everest, und Thor Heyerdahl, Expeditionsleiter und Navigator der Kon-Tiki, erster Mann am Nordpol und am Südpol, und viele andere.

Neues Projekt: THE LAST SONGS OF THE GLACIERS
Julia Calfees neuestes Projekt, das im Jahre 2007 begann, befasst sich mit dem Thema der Klimaveränderungen im Zusammenhang mit der globalen Erderwärmung, das sie mit experimentellen, multidimensionalen und multimedialen Ansätzen behandelt. Das Gesamtprojekt trägt den Titel THE LAST SONGS OF THE GLACIERS.

Die Installation THE CHAPEL WHICH SINGS GLACIER SONGS, vom 13. Mai 2010 bis zum 23. Juni 2010 in der mittelalterlichen Rheinstadt Rheinfelden in der Schweiz ist Teil von Julia Calfees Gesamtprojekt THE LAST SONGS OF THE GLACIERS. Dieses Projekt befasst sich mit dem grossen Thema der Erderwärmung auf intime und künstlerische Art. Es existieren bereits über 200 Tonspuren von Eisgeräuschen und schmelzenden Gletschern und Nahaufnahmen aus über zwei Jahren Arbeit in den hochalpinen Schweizer Tälern und Bergen um Vals und Länta in Graubünden. In der komplexen Installation werden Bilder und Tonaufnahmen miteinander verflochten und auf die Innen- und Aussenseite der gotischen Struktur der Kapelle auf dem Rhein projiziert.
Schwarz-Weiss-Fotografien aus dieser Serie wurden bereits an der Parisfoto 2009 gezeigt, und sie werden Teil einer Ausstellung.


deutsche übersetzung: Michael Schär